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Berufliche Bildung in Klausur

Fast ein Jahr lang beschäftigt sich nunmehr eine Enquetekommission im Deutschen Bundestag mit vielfältigen Facetten beruflicher Bildung in Deutschland und international. Unser Auftrag ist, herauszuarbeiten, wie die Zukunft des Systems der dualen Berufsausbildung gesichert werden kann mit Blick auf die Digitalisierung der Gesellschaft und der Arbeit. Viele Impulse von Wissenschaftler*innen, Praktiker*innen und Vertreter*innen von Verbänden liegen hinter uns. Die Projektgruppe "Digitalisierung" beschäftigte sich mit Begriffen, mit Erscheinungsformen und den Schlussfolgerungen für Arbeit 4.0 und für die berufliche Bildung. Wir haben diskutiert, welche Kompetenzen nötig sind, um junge Leute digital mündig zu machen. Wir haben uns ausgetauscht über den Zusammenhang zwischen den Zielen der Nachhaltigkeit und der Digitalisierung. Viel Stoff also, der nunmehr in einen Zwischenbericht münden soll. Deshalb war Klausur angesagt. Über vier Stunden haben alle Beteiligten zusammengesessen und einen ersten Entwurf für eine solche Zusammenfassung diskutiert. Eine der wenigen Möglichkeiten, in einen substanziellen, aufeinander bezogenen Diskurs zu treten. Allein deshalb war es ein Gewinn. (bbb)

Berufliche Weiterbildung für Geringverdiener*innen unter Druck

Es war der fünfte parlamentarische Abend des Verbandes der Privatschulen gemeinsam mit der Landtagsfraktion DIE LINKE  – also schon eine gute Tradition. In größeren Abständen tauschen wir uns aus über die jeweiligen Positionen in Sachen Lehrkräftemangel, in Sachen digitaler Bildung und in den Angelegenheiten der beruflichen Weiterbildung, die ja hauptsächlich von freien Trägern angeboten und von der Bundesagentur für Arbeit finanziert werden. Natürlich ist das Anliegen der Fraktion DIE LINKE ist zunächst, das Angebot in den öffentlichen Schulen zu sichern und qualitativ weiterzuentwickeln. Keine Frage. Unter dem eklatanten Lehrkräftemangel und der permanenten Unterfinanzierung von Bildung in unserem Land leiden jedoch öffentliche und freie Schulen gleichermaßen. Abwerbungsstrategien und bürokratische Barrieren gegenüber den freien Schulen lösen dieses Problem im Sinne der öffentlichen Schulen nun ganz und gar nicht.  Insofern mag es verwunderlich erscheinen, dass ausgerechnet DIE LINKE als Anwalt der freien Schulen engagiert ist. Das ist sie generell, wenn es um gute Bildung geht. In besonderem Maß ging es an diesem Abend um die Finanzierung der beruflichen Bildung für Menschen mit geringer Qualifikation, für Erwerbslose und Migrant*innen.  Auch hier zeigt sich ein weiteres Mal: Wenn es um die Bedürfnisse von Menschen mit Benachteiligungen geht, werden Gelder beschnitten und hohe Barrieren aufgebaut. So auch für die freien Träger beruflicher Bildung. Die Bundesdurchschnittskostensätze sind ein Symbol und ein Indiz gleichermaßen. Zur Finanzierung der Angebote sind sie das Maß der Dinge. Freie Träger müssen sich zertifizieren lassen und ihre Finanzierung richtet sich nach den Kosten der jeweils zurückliegenden Jahre. Daran orientiert werden die Bundesdurchschnittskostensätze errechnet und verkündet. Sie berücksichtigen nicht den gestiegenen Mindestlohn in der Weiterbildungsbranche, keine Steigerung der Miet- und Gebäudekosten und ebenso nicht das erforderliche Personal für Sozialarbeit und begleitende Hilfen. Berufliche Bildung für benachteiligte Menschen gerät so unter enormen Kostendruck. Nicht etwa die Qualität ist entscheidend bei der Vergabe, sondern möglichst niedrigste Kosten. Das ist alles andere als zukunftsweisend. Denn in einer Wissensgesellschaft und in einer Arbeitswelt, die sich durch die Digitalisierung stark verändern wird, können wir auf kein Talent verzichten. Auch Menschen mit geringer Qualifikation - möglicherweise besonders stark betroffen von digitalem Wandel - brauchen lebenslange Weiterbildung. Gemeinsam mit Monika Hohmann stand ich rede und Antwort, was die Zukunft der beruflichen Bildung braucht und in welcher Verfassung sie sich derzeit befindet. Und auch hier gibt es einiges an Gemeinsamkeiten zwischen den Interessenvertreter*innen der freien Schulen und der Fraktion DIE LINKE. Es braucht sichere Finanzierung durch eine Reform der Bundesdurchschnittskostensätze. Vor allem aber brauchen wir ein Recht auf Weiterbildung und sehr viel mehr Ressourcen dafür, dass sich auch benachteiligte Menschen lebenslang ohne Barrieren weiterbilden können. (Bbb)

Azubis sind keine Billigarbeitskräfte

Nur dem Druck von Gesellschaft, Gewerkschaften und der Fraktion DIE LINKE. im Bundestag ist es zu verdanken, dass Union und SPD endlich in die Gänge gekommen sind. Doch wie immer steckt die Tücke im Detail. Die Linksfraktion fordert eine gesetzlich festgelegte Mindestausbildungsvergütung, die einheitlich bei 80 Prozent der durchschnittlichen tariflichen Ausbildungsvergütungen aller Branchen des jeweiligen Ausbildungsjahres liegt. Dies wären mit Stand 2018 nach Berechnungen des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) und des DGB 660 Euro (brutto) im ersten Ausbildungsjahr, 720 Euro im zweiten Jahr, 795 Euro im dritten Jahr und 826 Euro im vierten Jahr. Von diesen 660 Euro brutto pro Monat im ersten Ausbildungsjahr würden über 125.000 Jugendliche profitieren. Nach dem Gesetzentwurf der Bundesbildungsministerin wären es im Jahr 2020 lediglich etwa 26.190 junge Menschen (DGB-Kalkulation). Das sind zu wenige Azubis, zumal die vollzeitschulischen Ausbildungen außen vor sind, da sie außerhalb des Geltungsbereichs des Berufsbildungsgesetzes liegen. Azubis sind schließlich keine Billigarbeitskräfte.

Berufliche Bildung vor Ort – unterwegs in Stendal

Die Tour der Bildungspolitiker*innen der LINKEN war am Mittwoch zu Gast in Stendal. Birke Bull-Bischoff, Matthias Höhn, beide Mitglieder der Bundestagsfraktion, Wulf Gallert, Vizepräsident des Landtages und Rosemarie Hein, einst bildungspolitische Sprecherin der Bundestagsfraktion machten sich ein Bild von zwei Lernorten beruflicher Bildung. Zunächst waren wir Gast in einem der größten Berufsbildungswerke Sachsen-Anhalts. Seit 1991 werden dort in Trägerschaft des Sozialverbandes Deutschland junge Menschen mit Lernbeeinträchtigungen und psychischen Problemen in verschiedenen Berufen ausgebildet. Derzeit sind es 190 junge Menschen, die von Berufspädagog*innen, von Sozialarbeiter*innen, von Psychologen und verschiedenen Therapeuten in ihrer Ausbildung begleitet werden. Voraussetzung dafür ist ein anerkannter Rehabilitationsstatus durch die Agentur für Arbeit. Oftmals sind es eine ganze Reihe von negativen Erfahrungen, die die schulische Biografie der jungen Leute prägen und belasten. Hier erhalten sie die Chance, eine gute und vor allem nachgefragte Ausbildung zu erhalten und gleichzeitig sozialpädagogisch begleitet zu werden. Insgesamt 25 Berufsfelder stehen zur Auswahl. Entweder eine vollqualifizierende Ausbildung oder eine Ausbildung zum Fachpraktiker*innen können die jungen Leute aus Sachsen-Anhalt, Thüringen, Brandenburg und vielfach aus den westlichen Bundesländern. (bbb)

DGB-Jugend auf Draht in Sachen berufliche Bildung

Zehn junge Gewerkschafter*innen auf einen Streich - und alle sehr fit in Sachen berufliche Bildung. Es passte also gut, sich gemeinsam zu verständigen, denn die Novelle des Berufsbildungsgesetzes ist seit Wochen angekündigt und immer wieder verschoben worden. Eines der zentralen Themen war die Einführung einer Mindestausbildungsvergütung. Hier hat der DGB bereits Anfang letzten Jahres einen Vorschlag gemacht: 80% der durchschnittlichen Ausbildungsvergütung soll die Untergrenze sein. Derzeit sind das ca. 660 Euro für das erste Ausbildungsjahr. Vielen jungen Leuten liegen auch die Kosten für die eigene Mobilität auf der Tasche. Die Kostenfreiheit für alle Lernmittel, die für die Ausbildung nötig sind, muss rechtlich geregelt werden. Auch die Kritik an den Übergangssystemen teilen wir.  Es muss für alle jungen Leute ein Recht geben, von einer zwei- auf eine dreijährige - und damit vollqualifizierende –Berufsausbildung zu wechseln. Es gab viele Gemeinsamkeiten und nur wenige Differenzen. Vereinbart haben wir einen regelmäßigen Austausch zu diesen Fragen. Wir werden vorschlagen, die DGB-Jugend für die im Bildungsausschuss des Bundestages geplante Anhörung zum Berufsbildungsgesetz als Sachverständige zu benennen. Sie können am besten darüber Auskunft geben, was sie für eine gute berufliche Bildung brauchen. (bbb)

"Wie tickt die Jugend in punkto Beruf?"

Die Enquetekommission "Berufliche Bildung in digitalisierter Arbeitswelt" nahm gestern vor allem die Perspektive junger Leute in den Blick. Eingeladen waren dazu Matthias Weingärtner von der Bundesschüler*innenertretung, selbst Absolvent einer Berufsausbildung und Frau König, eine Abiturientin, die eine Ausbildung im Hotel- und Gaststättengewerbe beendet hatte. Dazu waren die Autor*innen einer IHK-Studie zu diesen Fragen zu Gast und ebenso Prof. Klaus Hurrelmann, bekannter Jugendforscher. Es ging um die Frage, welche Ansprüche die jungen Leute an eine Berufsausbildung haben, was ihre Sicht auf die Dinge ist. Es ging um die Chance, Aufgaben selbständig und in eigener Verantwortung lösen zu können, sich auszuprobieren. Auch die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ist ein wichtiger Gradmesser. Flache Hierarchien und ein freundliches Arbeitsklima sind jungen Leuten wichtig. Nicht zuletzt sind es die Rahmenbedingungen der Ausbildung. In den großen Städten sind die Mieten vielfach zu teuer, um sich eine eigene Wohnung leisten zu können. Auch Mobilität ist ein starker, kaum zu bewältigender Kostenfaktor für Azubis. Letztlich erhielten die Bundestagsabgeordneten eine Reihen von Forderungen, die auch an die Novelle des Berufsbildungsgesetztes gerichtet sind. Gute Gelegenheit also: Denn das BBiG ist planmäßig am Mittwoch im Bundeskabinett, um dann im Parlament beraten zu werden.

bbb

DigitalPakt Schule – kurz gefasst

Nach langem Gezeter ist er nun beschlossen worden: Der DigitalPakt Schule. Wir haben hier das wichtigste zusammengefasst. 

40.000 Schulen– allgemeinbildende und Berufsschulen – sollen in naher Zukunft eine bessere digitale Ausstattung bekommen. Bundestag und Bundesrat hatten dem Vorschlag des gemeinsamen Vermittlungsausschusses und damit der erforderlichen Grundgesetzänderung am 15. März 2019 zugestimmt. Mit dieser Änderung ist der formale Grundstein für den "Digitalpakt Schule" gelegt. In einem dreiseitigen Papier haben wir die notwendigen Dinge zusammengefasst, "gespickt" mit nützlichen Links.

Bildungspolitiker*innen unterwegs