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Anregender Online-Dialog zu „Neuer Schule“!

Alte Schule hat fertig – „Neue Schule braucht das Land!“ – Unter diesem Titel und Motto haben wir am vergangenen Donnerstag diskutiert: Was braucht eine krisenfeste und zukunftssichere Schule, in der alle Schülerinnen und Schüler bekommen was sie brauchen, um erfolgreich lernen zu können? Die Pandemie hat es deutlich gezeigt: Die Zeit ist reif, um neue Wege einzuschlagen, anstatt zum alten Trott zurückzukehren. Lernen im Gleichschritt mit dem einzigen Ziel, Tests und Prüfungen zu bestehen, um Leistungsvergleichen standhalten zu können, muss abgelöst werden von einem neuen Bildungsverständnis, dass moderne Lern- und Prüfungskulturen in den Mittelpunkt stellt, ohne dabei den Anspruch an Ziele zu vernachlässigen. DIE LINKE will dabei Türen für „Systemsprenger:innen“ öffnen – Menschen, die mit pädagogischer Expertise und Mut neue Wege einschlagen, um Bildung zugänglicher und gerechter zu gestalten: Mit einer Beendigung der Mangelwirtschaft, weniger Ungleichheit und mehr Chancen für alle.

 

Neue Schule braucht Wohlbefinden, Geld und Menschen

Los ging es mit einem Impuls-Vortrag des Erziehungswissenschaftlers Prof. Dr. Wolfgang Böttcher
vom Institut für Erziehungswissenschaften Westfälische Wilhelms-Universität Münster
(https://www.uni-muenster.de/EW/personen/boettcher.shtml), der insbesondere das hierarchische und selektive Schulsystem in den Fokus nahm und für die Gemeinschaftsschule plädierte. Für ihn sind ganz klar strukturelle Bedingungen für Bildungsungleichheiten verantwortlich. Er hat beobachtet, dass das Bildungssystem soziale Hierarchien reproduziert. Der Nationale Bildungsbericht 2020 bestätigt das mit der Aussage, dass nur 12 Prozent der Kinder von Eltern ohne Berufsabschlüsse studieren, während es in Familien, in denen mindestens ein Elternteil einen akademischen Abschluss hat, 80 Prozent sind. Dieser Trend besteht seit Jahrzehnten, so dass mittlerweile mit Geburt des Kindes Voraussagen möglich sind, auf welcher Stufe in der sozialen Hierarchie das Kind später landet. Gerechtigkeitslücken sieht er auch in der Finanzierung, bei der Ungleiches nicht ungleich behandelt wird. Wissenschaftlich belegt ist außerdem, dass Lernende sich wohlfühlen müssen, um erfolgreich lernen zu können, diese Bedingungen werden aber mit dem Fokus auf Leistungsvergleiche nicht geschaffen.


Ines Petermann bestätigt aus Ihrer Praxis als Schulleiterin an der Ganztagsschule Friedrichstadt in
Wittenberg (https://www.gts-friedrichstadt.bildung-lsa.de/), dass die wissenschaftlichen
Erkenntnisse tatsächlich nicht umgesetzt werden. Gleichzeitig werden die Bedingungen, mit denen
Lehrende und Lernende konfrontiert werden, immer vielschichtiger, die Schere der
Bildungsungleichheit geht weiter auseinander. Vor diesem Hintergrund wird es immer schwieriger,
eine „neue Schule“ zu entwickeln. Eine Erleichterung hierbei könne eine Vereinfachung des
Mittelzuflusses sein, eine Grundausstattung anstatt kleinteiliger Anträge. Auch sie kritisiert die
Betonung auf das Leistungsmessen, da sie sowohl Schulen als auch Schüler:innen Motivation und
Mut nimmt, Dinge zu hinterfragen und anders zu gestalten und diese Veränderungen Zeit brauchen,
bis sich Erfolge zeigen. Schulen brauchen Freiräume, sich zu entwickeln. Auch Frau Petermann
wünscht sich die Abkehr vom selektiven Schulsystem und intensivere Kooperationen mit
außerschulischen Expert:innen, aber auch von Schulen untereinander.


Aus der Perspektive der Landespolitik in Sachsen-Anhalt konnte er Fraktionsvorsitzende der LINKE Thomas Lippmann (https://www.thomas-lippmann.de/willkommen/aktuell/) beitragen, dass in einer konservativen Bildungspolitik schwer ist, Visionen zu entwickeln, er kämpft vielmehr aktuell gegen Rückschritte und bemängelt vor allem den weiterhin absehbaren Lehrkräftemangel in seinem Land. Gleichzeitig sieht er hier die größten Chancen für Verbesserungen: „Schule ist Leute“ – positive Entwicklungen brauchen die richtigen und genügend Menschen. Auch er sieht einen großen Schlüssel in der Gemeinschaftsschule und der Schulsozialarbeit.


Im Dialog: Konkrete Vorschläge für Chancengleichheit, Teambildung und Aufbruch

Nach den anregenden Impulsen ging es dann aber endlich in die Dialogrunden. In drei verschiedenen Räumen diskutierten Gastgeberin, Impuls-Redner:innen und Gäste über Details von gerechter, demokratisch organisierter und innovativer Bildung. Für mehr Bildungsgerechtigkeit standen im Vordergrund, das selektive Säulen-System aufzubrechen und Gemeinschaftsschulen anzustreben. Außerdem müssen Gelder, die der Bund zur Verfügung stellt, direkt an die Schulen fließen, anstatt nur per komplizierter und komplexer Anträge zugänglich zu sein. Nach dem Grundsatz „Ungleiches ungleich behandeln“ muss jede Schule das bekommen, was sie wirklich braucht, um Chancengleichheit für alle herzustellen.

Zur Förderung der demokratisch organisierten Schule sollten Schulen insgesamt mehr Entscheidungsfreiheiten haben und Schulkonferenzen sollten auch über pädagogische Themen entscheiden. Die Beteiligung von Schüler:innenräten sollte in den Schulgesetzen verbindlicher festgeschrieben werden. Auch Unterricht kann noch demokratischer gestaltet werden, indem
weniger Frontalunterricht und mehr Lernprozessbegleitung praktiziert wird. Lehrkräfte sollten sich verstärkt als Team verstehen, an einem Strang ziehen, miteinander und voneinander lernen. Das kann Entlastungen schaffen. Das Instrument der schulinternen Fortbildung ist hier wichtiger Ansatzpunkt, der kreativ genutzt werden kann.

Um Schule innovativer und zeitgemäßer zu gestalten, braucht es nach Meinung der Dialogrunde vor allem Veränderungen auf struktureller Ebene: So muss Schulsozialarbeit verstetigt und ausgebaut werden, die Ausbildungsphasen für Lehrkräfte müssen individueller und praxisnäher gestaltet werden, damit sie befähigt werden, Schule auch wirklich zu verändern. Vor allem muss Schule als Lebens- und Lernort verstanden werden, das konservative Bildungsverständnis muss grundsätzlich
und nachhaltig aufgebrochen werden. Quereinsteiger:innen können hierbei als „Systemsprenger:innen“ wirken. Auch Inklusion muss als ganzheitliches Konzept verstanden werden, einzelne Rollstuhlrampen würden nicht reichen.

Die Impulse und der Austausch haben uns wertvolle Anregungen gegeben, wie wir unser Konzept zu „Neuer Schule“ noch besser schärfen können. Das Positionspapier dazu soll nun etwa Mitte Juni veröffentlicht werden. Gleichzeitig bestätigte der Diskurs, dass wir mit unseren Ideen den richtigen Nerv treffen. Denn darüber waren sich in der Veranstaltung alle einig: „Neue Schule braucht das Land!“


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