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Berufliche Bildung vor Ort in Köthen

Seit mehr als zwei Jahren arbeitet im Bundestag eine Enquetekommission „Berufliche Bildung in digitalisierter Arbeitswelt“. Expert*innen und Abgeordnete arbeiten miteinander an Handlungsempfehlungen für die duale und die schulische Ausbildung im Zeitalter digitaler Produktionsmittel. Wichtig ist hier, auch die Sicht der Praktiker*innen vor Ort einzuholen. Deshalb sind wir monatlich auch in den Landkreisen unterwegs, in Berufsschulen, in kleinen und mittleren Unternehmen, bei freien Bildungsträgern, um auch deren Perspektive kennenzulernen. Der erste Besuch nach der Sommerpause führte uns nach Köthen. Gemeinsam mit Christina Buchheim, der direkt gewählten Landtagsabgeordneten im Landkreis waren wir auf den Spuren arbeitsmarktpolitischer Träger. Die KöBeG - ein erfahrener Träger für Arbeitsförderung und Bildung in der Stadt und der Umgebung - ermöglicht vielen Menschen mit besonderen Schwierigkeiten bei der Vermittlung auf den ersten Arbeitsmarkt eine Perspektive, mit eigener sinnvoller Arbeit ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Was unter diesen besonderen Bedingungen möglich ist: die Restaurierung einer alten Kirche, eines alten Friedhofgeländes in Baasdorf wäre allein mit den Mitteln der Gemeinde oder der Kirche nicht möglich gewesen. Oder die Sanierung eines Spielplatzes, auch dafür fehlt den Kommunen in aller Regel das Geld. Die Beschäftigten der KöBeg brauchen mehr Zeit und Ruhe für ihre Arbeit, das Ergebnis ist dennoch beeindruckend. Das alles erinnert sehr an die Diskussionen in der PDS Mitte der 90er Jahre zum Modell eines öffentlich geförderten Beschäftigungssektors – damals kurz ÖBS genannt. Nützliche Arbeit zu vernünftigen Arbeitsbedingungen öffentlich finanziert, gerade in Bereichen, die nicht sofort Gewinne abwerfen. Nützliche Arbeit für Menschen mit so genannten Vermittlungshemmnissen. Herzlichen Dank an diejenigen, die sich immer und immer wieder engagieren für solche Möglichkeiten auf dem so genannten zweiten Arbeitsmarkt. Gut, dass es ihn gibt. Nicht nur für die Beschäftigten, sondern ebenso für die Gesellschaft insgesamt. (bbb)