7. November 2016

Zwischen Unterricht und Pasta

Bildung, Wirtschaft, Soziales waren die Themen an meinem Wahlkreistag am 7. November in Bernburg. In der Sekundarschule Campus Technicus durfte ich am Morgen Gast des Sprachunterrichts für Flüchtlinge sein. 25 Kinder aus 7 Nationen, manche seit wenigen Wochen in Deutschland, manche seit einem Jahr, saßen an den Tischen. Da ist schnell klar, dass es einen hochdifferenzierten Unterricht geben muss. So übten einige Kinder Dialoge, andere fertigten sich Karten für ihre Wortschatzkisten an, oder stellten Plakate mit Dativsätzen zusammen. Das Thema der Stunde war „Geburtstag“. Manche Bräuche sind dabei universell, ob Geburtstagskuchen, Geschenke oder Geburtstagsständchen, und so wurde am Ende Happy Birthday gesungen – in sechs Sprachen.  So konnten die Kinder ihre Kultur in den Unterricht einbringen. Im anschließenden Gespräch mit der Lehrerin Frau Laue und der Schulleiterin Frau Zahradnik kam das Problem der befristeten Stellen für Sprachlehrkräfte auf den Tisch. Am 31. Dezember laufen deren Arbeitsverträge aus. Wir haben eine vollkommen absurde Situation: Eine ausreichende Unterrichtsversorgung kann schon jetzt nicht mehr gewährleistet werden. Lehrerinnen und Lehrer arbeiten am Limit ihrer physischen und psychischen Belastbarkeit. Sachsen-Anhalt braucht dringend Lehrkräfte. Dass der "Markt" dafür leergefegt ist, zeigt der Umstand, dass viele Stellen trotz Ausschreibung nicht besetzt werden konnten. Es wäre Wahnsinn, wenn wir nun auch noch Lehrerinnen und Lehrer, die wir schon im Schulsystem haben, durch auslaufende Befristungen verlieren. Das können wir uns schlichtweg nicht leisten. Wir haben deshalb in der Septembersitzung des Landtages einen Antrag eingebracht, dass die Sprachlehrkräfte die das wollen in den Schuldienst übernommen werden und dann in dem Maße, wie der Bedarf für Sprachunterricht abnimmt, Fachunterricht erteilen können. Dieser Antrag wird gerade in den Ausschüssen beraten und ich hoffe sehr auf eine Lösung – und zwar, bevor sich die Sprachlehrkräfte auf Grund drohender Arbeitslosigkeit eine andere Stelle gesucht haben.

 

Im Anschluss waren wir in der Pastamanufaktur „Frescola Pasta“ und sprachen mit den Gründer*innen Herr Locci und Frau Kritzler. Der Italiener, der schon seit vielen Jahren in Deutschland lebt, vermisste die traditionelle gefüllte Pasta aus seiner Heimatregion und beschloss daher, hier in Bernburg hochwertige Pasta herzustellen. Seit Dezember 2015 kann man die frische Pasta aus qualitativ hochwertigen Zutaten, möglichst aus der Region, kosten – ohne Zusatz- oder Konservierungsstoffe. Die Zusammenarbeit mit den Kommunen während der Gründung war unterschiedlich. Herr Locci und Frau Kritzler berichteten über eine gute Zusammenarbeit mit der Stadt, die das Vorhaben von Anfang an unterstützte und von unnötiger Bürokratie seitens des Landkreises. Auch IHK oder Handwerkskammer waren dabei keine Hilfe. Auf die Frage, wie er zu seinem Personal (ob in der Pasta-Manufaktur oder bei Almeco, seinem hauptamtlichen Beschäftigungsfeld) komme, entspann sich eine interessante Diskussion, über Menschen, die Lust haben, etwas zu lernen, die neugierig sind, die sich weiterentwickeln wollen. „Menschen sollten sich entwickeln wie Linden, nicht wie Tannen“ meint, sie brauchen die Möglichkeit vielfältig zu sein, sich auszuprobieren, auch Fehler zu machen. Eine geradlinige Entwicklung, wo ein Kind schon im frühen Jugendalter weiß, was es will und sich dann kontinuierlich nur auf diesem Weg entwickelt, ist für ihn weder realistisch noch erstrebenswert.

 

Am Nachmittag fand der 2. Teil der Ladentour statt. Die Idee dazu wurde im vergangenen Winter geboren. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Bürgersprechstunden nicht gut besucht werden. Deshalb haben wir nach einer Form gesucht, wie wir mit Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch kommen können. Was wollen sie der Politik mit auf den Weg geben, was brennt ihnen auf den Nägeln. Ein Versuch bestand darin, in die Läden zu gehen, um mit den Angestellten oder mit Kundinnen und Kunden ins Gespräch zu kommen. Second-Hand-Shop, Friseurgeschäft und Apotheke waren diesmal die Stationen. Erfahrungen mit der Selbständigkeit, mit dem Mindestlohn, mit den Rahmenbedingungen vor Ort waren die Themen. Eine durchweg positive Erfahrung für mich und meine Kollegin Sabine Dirlich, die mich als Vorsitzende der Kreistagsfraktion begleitete.

 

Der letzte Termin fand im Füreinander-Laden statt. Kleiderspenden werden eigenverantwortlich von ehrenamtliche Kräften und 1-Euro-Joberinnen aufgearbeitet und gegen ein kleines Entgelt an die Frau oder den Mann gebracht. Der Laden ist dringend auf Kleiderspenden angewiesen. Bei Bedarf werden sie auch zu Hause abgeholt.