7. September 2015

Identität durch Geschichte

Wie kann Sachsen-Anhalt eine Landesidentität, ein Wir-Gefühl, entwickeln? Um dieses Thema ging es am Wahlkreistag in einem Gespräch mit Olaf Böhlk. In einem kurzen Ausflug in die Geschichte des Landes erläuterte er, dass Sachsen-Anhalt eben kein künstlich zusammengeschustertes Gebiet sei, sondern „als historisches Gebilde in Ordnung“ sei. Es war immer ein Land, das mit seinen vielen mittelgroßen Städten und ohne großes Königshaus dezentral gedacht war. Es hatte immer Brückenfunktion und war dadurch weltoffen und hatte immer Zulauf von außen. Dadurch konnte es sich kulturell immer weiterentwickeln. Diese Aspekte könnten bei der Bildung einer Landesidentität helfen und sie positiver besetzen als der Slogan „Wir stehen früher auf“. Olaf Böhlk empfiehlt, die drei anstehenden Jubiläen 500 Jahre Reformation (2017), 100 Jahre Bauhaus und 1000 Jahre Königserhebung Heinrich des I. (beides 2019)zu nutzen, um die Vergangenheit in die Zukunft zu transportieren und eng mit dem Land Sachsen-Anhalt zu verknüpfen. Sein Ziel ist es, das Schloss Bernburg zu einem landesgeschichtlichen Erinnerungsort zu machen. 

Ein bisschen passte der nächste Termin zum Thema. Die Weltoffenheit, die Sachsen-Anhalt früher auszeichnete, ist heute notwendiger denn je.  Frau Stephan, als Dezernentin im Salzlandkreis für die Flüchtlingsunterbringung und -betreuung  zuständig, war zu Gast und sprach über die Herausforderungen auf diesem Gebiet. Da ist zum einen die Akquise von Wohnungen. Hier setzt der Salzlandkreis auf einen Mix aus Gemeinschaftsunterkünften, dezentralen Wohnungen und einer Mischform der beiden Unterkunftsarten, in dem ganze Blöcke mit abgeschlossenen Wohnungen gekauft und dann einem Betreiber übergeben werden, der auch die Betreuung übernimmt. Hierfür ist der Landkreis ständig mit Wohnungsunternehmen und -eigentümerInnen im Gespräch. Der Salzlandkreis hat eine Stabsstelle Asyl (jetzt ein eigener Fachdienst) gegründet, um Ämterhierarchien zu umgehen. Es wurde sehr  zeitig ein Betreuungskonzept mit vielen ProjektpartnerInnen entwickelt. Vielen sind daraus vor allem die Soziallotsen bekannt. Für alle, die sich engagieren wollen, gibt es in den Kommunen AnsprechpartnerInnen, die Auskunft darüber geben können, was man tun kann, was gebraucht wird und wo man hingehen kann, wenn man helfen möchte.