Es sind nicht die neuen Fenster, die eine gute Schule ausmachen

In einem Gespräch mit Vertreterinnen der Stiftung evangelische Jugendhilfe tauschte ich mich im Rahmen meines Wahlkreistages am 2. Juli zu den Themen Inklusion und gemeinsamer Unterricht aus. Die Organisation betreibt in Bernburg eine Ersatzschule. Durch Vorgaben der UN-Behindertenrechtskonvention steht das „ob“ der Inklusion nicht mehr in Frage. Es geht nur noch um das „wie“ der Ausgestaltung. Unsicherheit entsteht dadurch, dass jedes Bundesland die Vorgaben der Konvention anders umsetzt. Hier ist der Kultusminister gefordert, klar anzusagen, wohin die Reise in Sachsen-Anhalt gehen soll. „Außerdem müssen die Rahmenbedingungen stimmen, wenn Kinder mit Behinderungen an Regelschulen integriert werden sollen. Eine Schule braucht nicht die neuesten Fenster oder Stühle, aber technisch und personell sollte sie auf einem hohen Niveau arbeiten können“, so Frau Haude, Mitarbeiterin der Stiftung. Dazu bedarf es eines erweiterten Einstellungskorridors und einer bedarfsgerechten Fortbildung der Lehrerinnen und Lehrer. Gute Erfahrungen gibt es im Bereich der Kindertagesstätten, wo im Rahmen des „100-Tage-Programms“ Multiplikator/innen ausgebildet wurden, die dann an den Einrichtungen eine Coaching-Funktion übernommen haben. Der Personalmangel ist inzwischen nicht mehr nur eine Frage des fehlenden Geldes, sondern eine Frage der fehlenden Menschen geworden. Deshalb halte ich eine vorsichtige Konzentration der betroffenen Kinder an ausgewählten Schulen und für die jahrgangsweise Schließung der Förderschulen mit den Förderschwerpunkten Lernen und Sprache für sinnvoll. Wir können es uns finanziell und personell nicht mehr leisten, zwei Systeme parallel zu finanzieren. Es gibt mehrere Schulen in Sachsen-Anhalt, die den gemeinsamen Unterricht bereits erfolgreich durchführen.  Dass es geht, ist also erwiesen. Es bedarf einer Haltung der Aufgeschlossenheit und der Akzeptanz von Verschiedenheit, die mit differenzierten Lehrmethoden durchaus produktiv genutzt werden kann. Wenn das gelingt, kann gemeinsamer Unterricht ein Gewinn für alle sein.