Wahlkreistag mit zwei Premieren

Zwei Premieren standen am Wahlkreistag am 16. April an. Ich traf mich erstmalig mit dem Behindertenbeauftragten des Salzlandkreises, Herrn Sielmon und mit der Geschäftsführung des KIDS e.V.

 

Herr Sielmon gab zunächst einen Überblick über seine Arbeit. Seit 2008 im (Ehren)Amt, führt er regelmäßig Sprechstunden durch. Die dort aufgenommenen Probleme zu bearbeiten ist ein sehr zeitaufwändiges Arbeitsgebiet, das ergänzt wird durch Stellungnahmen bei öffentlichen Bauvorhaben und ähnliches. Da der Umfang der Arbeit enorm ist, plädiert Herr Sielmon dafür, im Bereich der Verwaltung eine hauptamtliche Stelle zu schaffen.

 

Eine seiner vorgestellten Ideen, die Lebenssituation von Menschen mit Behinderungen zu verbessern ist, ein Konto für zweckgebundene Spenden einzurichten. Das eingegangene Geld soll dazu dienen, besondere Ausgaben (z.B. Talentförderung von Kindern und Jugendlichen) finanzieren zu können.

 

Ein weiteres angesprochenes Problemfeld ist barrierefreier Wohnraum. In Bernburgwurde ein Block mit barrierefreien Wohnungen abgerissen. Dadurch ist die Nachfrage nach geeignetem Wohnraum in Bernburg sprunghaft gestiegen. Die zur Verfügung stehenden Wohnungen sind größtenteils nicht kompatibel mit den Richtlinien der Kosten der Unterkunft des Jobcenters. Hohe Zuzahlungen aus dem Regelsatz sind die Folge. Hier wird die Stadtratsfraktion eine Anfrage an die Verwaltung stellen, um herauszufinden, wie es um entsprechenden Wohnraum bestellt ist, um danach zu entscheiden, welche Handlungsmöglichkeiten sich aus der Antwort ergeben.

 

Diskutiert wurde auch das Problem von Familien mit Kindern mit geistiger Behinderung, die ab dem Alter von 14 Jahren keine Möglichkeit einer Nachmittagsbetreuung mehr haben. Die ist aber nötig, wenn die Eltern berufstätig sind. Seit längerer Zeit wird versucht, dort eine Lösung zu finden. Bisher ohne Erfolg. Eltern sind aufgerufen, ihren Bedarf anzuzeigen. Das soll möglichst außerhalb der Schule stattfinden, weil befürchtet wird, dass die Meldungen sonst untergehen. Gesucht wird also nach Strukturen, die die Notwendigkeit der Bedarfsermittlung für betroffene Familien öffentlich machen und die den Bedarf aufnehmen und an das Kultusministerium weiterleiten. Hier könnten die Behindertenbeauftragten eine zentrale Rolle spielen.

 

Am Nachmittag traf ich mich mit der Geschäftsführerin von KIDS e.V., Frau Weilbeer und ihrer Stellvertreterin, Frau Hesse. Der Verein ist seit 1995 im Bereich der Jugendhilfe tätig. Er betreibt 3 integrative Kitas, 5 Erziehungsfachstellen, und bietet Hilfen zur Erziehung sowie Betreuung behinderter Erwachsener an. Diese breite Palette sorgte für viel Gesprächsstoff.

 

Bei der Novellierung des Kinderförderungsgesetzes plädierten beide Gesprächspartnerinnen für eine Rückkehr zum Ganztagsanspruch für alle Kinder, unabhängig vom Erwerbsstatus der Eltern und für mehr Vor- und Nachbereitungszeit für Erzieher/innen. Außerdem mahnten sie an, dass Projekte unbedingt eine langfristige Perspektive erhalten sollten. Gute Erfahrungen hat der Verein mit dem Programm „Bildung elementar“ und mit der Einrichtung eines Kind-Eltern-Zentrums gemacht. In diesem wird die Arbeit der Kita offener für Eltern gestaltet. Sie können die Gruppenarbeit begleiten, es gibt ein Elterncafé, in dem sie sich austauschen können und bei speziellen Thementagen wird gemeinsam mit den Kindern musiziert, Sport getrieben, gekocht…

 

Im Bereich der Heimerziehung stellen Frau Weilbeer und Frau Hesse einen steigenden Bedarf an ambulanten und stationären Hilfen fest. Zunächst wird versucht, über ambulante Hilfen die Familien zu stabilisieren. Hat das keinen Erfolg, ist die vorrübergehende stationäre Unterbringung der Kinder nötig. Auch während dieser Zeit wird mit den Familien weitergearbeitet, so dass die Kinder möglichst wieder in die Familien integriert werden können.