Auf den Spuren der Sozialarbeit

Seit 2007 arbeiten an vielen Schulen Sachsen-Anhalts SchulsozialarbeiterInnen. Die Europäische Union finanziert dieses Programm in einem finanziellen Umfang von ca. 59 Mio.€ über fast 6 Jahre hinweg. Schon einmal haben sich einige Schulen auf den Weg gemacht, vor allem (aber nicht nur) SchülerInnen mit Lern- oder Entwicklungsschwierigkeiten ein ganz besonderes Angebot zu machen. Schon einmal ist dieses Angebot verworfen und wieder abgeschafft worden. Nun arbeiten mittlerweile seit fast 4 Jahren viele hochqualifizierte KollegInnen auf diesem Gebiet an den Schulen unterschiedlicher Schulformen. Zu Beginn des Jahres mussten die Anträge auf Fortsetzung des Programmes in vielen Schulen neu gestellt werden. Das war verbunden mit einer Bilanz über das Erreichte und vielfältigen Plänen zur Verbesserung des Anliegens von Schulsozialarbeit. Für die Fraktion DIE LINKE ist dies ein guter Zeitpunkt, um sich in bewährter Weise mit PraktikerInnen und ExpertInnen, mit LehrerInnen, SchulleiterInnen, SchülerInnen und NetzwerkkoordinatorInnen über deren Erfahrungen vor Ort ins Gespräch zu begeben. In Wittenberg, in Magdeburg und in Bernburg waren die BildungspolitikerInnen bereits unterwegs. Erste Eindrücke zeigen sich dabei. Einig sind sich alle unsere bisherigen GesprächspartnerInnen: Missen möchten sie die Schulsozialarbeit an ihren Schulen nicht mehr. Sie ist geschätzte Normalität und notwendiger und zugleich selbstverständlicher Teil der Arbeit an den Schulen geworden. Einerseits ist sie ein Angebot an Schülerinnen und Schüler, die auf Probleme und Schwierigkeiten treffen. Diese zeigen sich meist in schulischem Verhalten und ausbleibenden Lernerfolgen. Anderseits ist sie notwendige Prävention, um potenzielle Schwierigkeiten bereits frühzeitig zu erkennen. Nicht zuletzt ist Schulsozialarbeit ein wertvoller Impuls, um die Aufmerksamkeit aller Beteiligten beim Lernen auf das soziale Miteinander zu lenken, um die individuellen sozialen Bedingungen von SchülerInnen stärker in den Blick zu nehmen, um das Beziehungsgefüge zwischen allen, die am schulischen Geschehen beteiligt sind zu verbessern, Konfliktmanagement zu betreiben, Hilfe und Unterstützung zu geben. So oder ähnlich könnte man das Aufgabengefüge von Schulsozialarbeit beschreiben. Das Bild vom „sozialen Notnagel“ greift viel zu kurz. Dennoch wird dieses Missverständnisse hier und da bedient. Das kollegiale Verhältnis zwischen Lehrkräften und SchulsozialarbeiterInnen gestaltet sich vor diesem Hintergrund nicht überall konfliktfrei. Warum auch? Was können diese KollegInnen, was wir nicht können? Soll das eine Botschaft sein, dass wir unseren Job nicht gut genug machen? – So oder ähnlich könnte man die Anfangsskepsis von Lehrkräften formulieren. Von „Tür-und-Angel-Gesprächen“ ist die Rede, um LehrerInnen für nahende oder bereits sichtbare Probleme und Entwicklungen zu sensibilisieren. Das „Einander- Kennenlernen“ scheint einer der Schlüssel zu sein, um ein vertrauensvolles kooperatives Miteinander in Gang zu bringen, zwischen SchulsozialarbeiterInnen und Lehrkräften. Hier gibt es interessante Ideen um diese „Tür-und-Angel-Gespräche“ zu institutionalisieren: gemeinsame Fortbildungen, kollegiale Fallbesprechungen, Problemdiskussionen in Gesamtkonferenzen. Von Veränderung ist vielerorts die Rede: Veränderungen im Verständnis von LehrerInnen über ihre Aufgaben an Schulen, oder im Verständnis darüber, wie wertvoll und notwendig die Kenntnis der individuellen sozialen Bedingungen von SchülerInnen sind, wenn man Bildungsprozesse erfolgreich gestalten will. Aber: Hier gibt es noch Entwicklungsbedarf. Schließlich braucht Entwicklung auch Zeit und Erleben.

Beklagt wurde allerorts der überbordende Verwaltungsaufwand: Zwischenberichte, Abschlussberichte für die bildungsbezogenen Maßnahmen, Berichte über den Fortgang der Schulsozialarbeit an sich. Es fehlten klare Kriterien und klare Fragestellungen für diese Analysen, so die SchulsozialarbeiterInnen. Auch der bürokratische Aufwand in den Abrechnungsverfahren sei enorm und viel zu hoch, so einige VertreterInnen der Träger. Die Angebote der Fortbildung werden sehr unterschiedlich beurteilt. Einerseits wird über eine vielfältige Bandbreite an Möglichkeiten berichtet, andererseits wird das Fortbildungsangebot als viel zu gering eingestuft. Man müsse sich vieles – so eine Kollegin – allein heraus- und zusammensuchen. Teamfortbildungen bleiben mangels Interesses aus.

Schulsozialarbeit gibt es mittlerweile an allen Schulformen. Mit PraxisvertreterInnen aller Schulformen sind wir bisher schon im Gespräch gewesen. Ziel ist es, diesen Gesprächskreis noch zu erweitern. Geplant ist, am Ende des Jahres eigene Vorstellungen über die Zukunft des Programms „Schulerfolg sichern!“ vorzulegen und öffentlich zu diskutieren. Auch eine Debatte im Landtag planen wir dazu. Über den Fortgang dieses Arbeitsprozesses werden wir berichten.