27. September 2013

Das Problem heißt Rassismus

Es ist ein Albtraum. Am 21. September überfiel in Bernburg eine Gruppe von neun jungen Männern den Besitzer eines türkischen Schnellimbisses. Sie traten so sehr auf den Mann ein, dass er ins künstliche Koma versetzt werden musste und seitdem um sein Leben ringt. Durch das schnelle Eintreffen der Polizei konnten die Männer glücklicherweise gefasst werden. 

Am 27. September gab es am Tatort eine Solidaritätskundgebung, die von der Magdeburger Jugendgruppe spontan angemeldet wurde. Trotz der Kurzfristigkeit des Aufrufes folgten viele Berburgerinnen und Bernburger der Einladung.

Schon während der Auftaktveranstaltung der Interkulturellen Woche war es vielen Einwohnerinnen und Einwohnern ein Bedürfnis, sich an der Unterschriftensammlung des Bernburger Bündnisses für Demokratie und Toleranz zu beteiligen und so das Zeichen zu setzen: Bernburg ist nicht braun. Viele drückten im Gespräch ihre Empörung über den Ausbruch sinnloser Gewalt aus. „Es hätte an diesem Abend jeden treffen können, der nicht in das Schema der Neonazis passt“, sagte eine der Organisatorinnen der Veranstaltung.

Wir müssen uns fragen, wie wir in unserer Gesellschaft mit Menschen anderer Religionen, anderer Hautfarbe, mit anders Denkenden, anders Aussehenden, anders Liebenden umgehen. Es fängt bei blöden Witzen an, die unwidersprochen bleiben, es geht weiter mit dummen Blicken und Sprüchen, die unverhohlen rassistisch sind und unkommentiert verhallen, und es hört bei den eigenen Vorurteilen und bei Sondergesetzen für Angehörige von Minderheiten auf.

Wir haben nur eine Chance: wir müssen uns mit dem Alltagsrassismus auseinandersetzen. Wir brauchen die Gelegenheit, fremde Kulturen, andere Lebensweisen über unsere Vorurteile hinaus wirklich  kennenzulernen. Fremdes muss im Alltag erlebbar werden. Wir müssen lernen, einander auszuhalten. Da ist es widersinnig, dass Asylbewerberinnen und Asylbewerber gut abgeschirmt von Einheimischen untergebracht werden. Was wir brauchen, ist, dass sie durch eine dezentrale Unterbringung unsere Nachbarinnen und Nachbarn werden. Wir müssen Situationen schaffen, um das Fremde im Alltag zu erleben mit all dem Gewinn, aber auch mit all den Schwierigkeiten, den das mit sich bringen kann.  

Ich bin froh, dass junge Menschen auf dieses schreckliche Ereignis so schnell reagiert haben und dass so viele Menschen die Zeit gefunden haben, hier zu protestieren.