10. Februar 2016

Sie werden's schon vermuten, die LINKEN sind die Guten"

Politischer Aschermittwoch

Ungewohnt ernst begann der politische Aschermittwoch der LINKEN am 10. Februar im Bernburger Metropol. Noch am Nachmittag wurde über eine mögliche Absage der Veranstaltung auf Grund des Zugunglückes in Bayern debattiert. Wir haben uns dagegen entschieden. Wir mussten uns in den letzten Tagen, Wochen und Monaten mit so viel Unglück und Leid auseinandersetzen. Wir können das Leben nicht anhalten, aber wir können innehalten. Wir sprachen den Opfern des Zugunfalles und deren Angehörigen unseren Respekt und unser Mitgefühl mit einer Schweigeminute aus.

„Sie werden`s schon vermuten, die LINKEN sind die Guten.“, reimten wir - meine Kolleginnen Bianca Görke, Sabine Dirlich und ich - uns im Anschluss durchs Programm. Wir nahmen in unseren Beiträgen die Landespolitik auseinander. Da ging es um einen farblosen Ministerpräsidenten, um Vetternwirtschaft und schlechte Zahlen, die Sachsen-Anhalt nur allzu oft als Schlusslicht der Bundesrepublik dastehen ließen, um die Eigenheiten der Großen Koalition in der die SPD staatstragend Stürme nur im Wasserglas entfachte. Auch die AfD mit ihrem rückwärtsgewandten Weltbild und die Grünen als Wunschkoalitionspartner kriegten ihr Fett weg.

Dann überließen wir die Bühne aber einem Profi. Der Berliner Kabarettist Gerald Wolf befasste sich in seinem einstündigen Programm mit der Bundes- und Weltpolitik. Dabei deckte er ein extrem breites Spektrum ab.

Es ging zum einen um Widersprüche: wenn beispielsweise der österreichische Kanzleramtsminister Ostermayer Grenzzäune mit Stacheldraht gegen Flüchtlinge plant, aber so, dass er schnell einrollbar ist, damit sich die Wildtiere nicht verletzen. Es ging um Skandale bei VW, Banken oder der NSA. Es ging um Griechenland und Afghanistan. In Bezug auf Uli Hoeneß‘ empfiehlt er, die Möglichkeit der freiwilligen Selbstanzeige auch auf andere Straftaten auszuweiten. „Verbrechen auf Probe“ wäre doch ein feines Konzept.

Auch das Bundeskabinett wurde durchexerziert. Gerald Wolf erwies sich als trefflicher Märchenerzähler, der in der Geschichte von der Merkeline den Werdegang der Bundeskanzlerin skizzierte, er war amerikanischer Prediger, der seinen „Brothers and Sisters“ die Welt erklärte und er gab brillant den Karnevalsredner. Zwischendurch immer wieder Lieder und selbst eine Grönemeyeradaption zum Thema Leiharbeit war zu hören.

Die Gäste im ausgebuchten Metropol erlebten politisches Kabarett, das Lachmuskeln und Gehirnzellen gleichermaßen trainierte.