10. Mai 2017

Obergrenzen für die Kinder von Flüchtlingen?

Die Quelle von Bildung ist nicht Einfalt, sondern Vielfalt. Gemeinsam zu lernen ist also nicht nur ein menschenrechtliches Anliegen, sondern auch ein bildungspolitisches. Dennoch: Die unterschiedlichen Lernausgangslagen von Kindern und Jugendlichen für gemeinsames Lernen zu nutzen und produktiv zu gestalten, ist immer auch eine große Herausforderung.

Mit anderen Worten: das pädagogische Geschäft ist immer – so oder gerade auch hier - ein schwieriges. Aus dieser – und nur aus dieser Motivation heraus – kann man die Suche nach einer Möglichkeit verstehen, Kinder mit unterschiedlichen Lebenslagen, darunter Kinder mit Migrationshintergrund, auf unterschiedliche Schulen zu verteilen, um eine große Konzentration zu vermeiden. Nur einverstanden muss man nicht sein. Obergrenzen sehen wir skeptisch. Wer würde fordern, begabten Kindern oder Kindern erwerbsloser Eltern oder Kindern von wem und womit auch immer in Klassen oder Lerngruppen eine Obergrenze zu setzen. Auch sie sind besondere Herausforderungen. Wir denken: Die zentrale Forderung muss stattdessen sein, Schulen mit Kindern, die einen besonderen Bedarf an Lernförderungen brauchen, mehr Personal zur Verfügung zu stellen.

In den Schulen hingegen herrscht derzeit Mangelwirtschaft. In Stadtteilen, in denen besonders viele Migrant*innen wohnen, gibt es auch Schulen, in denen besonders viele Kinder mit Migrationserfahrungen lernen. Logisch. Kurze Wege für kurze Beine gilt auch für sie. Sie sollen am Nachmittag mit ihren Schulkameraden spielen können, dort wo sie auch gemeinsam zur Schule gehen. Auch über Stadtpolitik muss man sprechen, darüber, wie man Stadtpolitik so gestaltet, dass in allen Stadtteilen eine soziale Mischung von Menschen mit unterschiedlichen Lebenslagen möglich bleibt. Die Grundfrage bleibt: Unter welchen Bedingungen kann Integration erfolgreich sein, Integration von Kindern und Jugendlichen?  

Entscheidend ist dabei, mit welcher Prämisse man eine solche Diskussion führt. Entweder mit der Absicht der Ausgrenzung und der Diskriminierung oder in der Absicht der Integration, der Solidarität und der Chancengleichheit. Ein Antrag der AfD tut ersteres, unverkennbar und ohne Scham. Es gibt nicht einmal den Versuch, das zu bemänteln. Solidarität und Menschlichkeit – als Grundprinzipien – sind für uns hingegen nicht verhandelbar. Nirgendwo. Deshalb ist dieser Antrag – im Übrigen einmütig mit den Koalitionsfraktionen – nirgendwo hin überwiesen worden. PS: Im Sinne von Klarheit darüber, wer die AfD ist, kann ich nur empfehlen, sich die Debatte im Landtag anzusehen, vor allem aber an- und hinzuhören.