11. Mai 2015

Mindestlohn - Chance oder Schreckgespenst?

Bild: pixelio.de, Michael Grabscheit

An meinem Wahlkreistag am 11. Mai beschäftigte ich mich mit den Auswirkungen des Mindestlohnes. Dazu gab es Gespräche mit dem Geschäftsführer der Bernburger Arbeitsagentur, Thomas Holz, und mit der Chefin einer Bäckereikette.

Nahezu 100 Tage seit Einführung des Gesetzes zur Einführung des Mindestlohnes waren vergangen. Herr Holz konnte bisher keinen Rückgang der Stellenangebote feststellen. Auch der befürchtete Anstieg der Arbeitslosigkeit ist ausgeblieben. In Gesprächen mit Arbeitgebern wurde gesagt, dass bestimmte Berufe eine Imageaufwertung erfahren haben. Man bekomme jetzt bessere Leute. Allerdings ist es ein Problem, dass das Lohngefüge in den Betrieben aus den Fugen gerät. Wenn ungelernte Kräfte 8,50 Euro pro Stunde verdienen und ausgebildete vielleicht 9,00 Euro, dann sinkt der Wert oder die Rendite der Ausbildung. Hier sind aber nun die Unternehmen zusammen mit den Gewerkschaften gefragt, in den nächsten Tarifverhandlungen das Lohngefüge wieder auf ein gerechtes Maß zu bringen. Weitaus bedenklichere Auswirkungen als der Mindestlohn habe die Einführung der Rente mit 63. Dies verschärfe das Problem des Fachkräftemangels, so Thomas Holz im Gespräch. Eine begrüßenswerte Auswirkung dessen ist aber, dass inzwischen auch über 50-Jährige Erwerbslose Chancen auf eine Neuanstellung bekommen. Die Arbeitsagentur ist im engen Kontakt mit den Arbeitgebern der Region, um eventuelle Qualifikationslücken dieser BewerberInnen zu schließen und beraten auch intensiv, durch welche Maßnahmen es Unternehmen gelingt, ihre Beschäftigten möglichst lange fachlich und gesundheitlich fit zu halten.

Bäcker mussten nach der Einführung des Mindestlohnes die Preise erhöhen, um rentabel zu bleiben. Das betraf aber alle gleichermaßen, so dass der Wettbewerb durch dieses Gesetz nicht so verzerrt wurde, wie durch die Backstrecken in Supermärkten.

Beide Gespräche haben den Eindruck bestärkt, dass die Schwarzmalerei der GegnerInnen des Mindestlohnes von der Realität ad absurdum geführt hat. Das bestärkt uns in unserer Forderung, den Mindestlohn auf eine Höhe anzuheben, von der man a) leben kann und b) einen Rentenanspruch erarbeitet, der diesen Namen verdient.