Kommunaltour im Raum Staßfurt

Kommunaltour ist, wenn größere Gruppen von Abgeordneten und Mitarbeiter/innen der Landtagsfraktion der LINKEN ausschwärmen, durch das Land reisen und an verschiedensten Orten mit Akteur/innen in Vereinen, Verbänden, Betrieben und Einrichtungen ins Gespräch kommen. Inhalt der Gespräche: welche Auswirkungen hat die Landespolitik, was läuft gut, wo gibt es Verbesserungsvorschläge und was geht gar nicht.

 Im Salzlandkreis war ich am 7. Mai gemeinsam mit Sabine Dirlich, dem Fraktionsvorsitzenden Wulf Gallert und einigen Fraktionsmitarbeiter/innen im Bereich Staßfurt unterwegs. Wir besuchten das Schloss Hohenerxleben, trafen uns mit Vertretern des Stadt- und Kreisseniorenrates und mit der Feuerwehr Staßfurt.

 In Hohenerxleben überzeugten wir uns von dem Engagement der Bewohner/innen des Schlosses, die das alte Gemäuer seit 14 Jahren liebevoll restaurieren und mit (kulturellem) Leben füllen. Das Theatrum Schloss Hohenerxleben begeisterte schon viele Besucher/innen und hat sich über die Grenzen Sachsen-Anhalts hinaus einen guten Namen erspielt. Die Theatergruppe reist zu Gastspielen inzwischen durch die ganze Republik und bietet „nebenbei“ sehr erfolgreich Schülertheaterprojekte an. Neben den dort arbeitenden Zirkeln (Musik, Malerei, Schauspielerei, Kunstwerkstatt) bietet das Schloss wunderschöne Gästezimmer und eine hervorragende Küche. Das Wohlfühlen wird komplettiert durch einen originellen Gesundungsbereich und das Samadhi-Bad, in dem Mensch quasi auf dem Wasser schwebt. Es sind Idealisten, die sich in dem Ort an der Bode niedergelassen haben und die versuchen, jedem Gast mit einer besonderen, wertschätzenden Offenheit entgegen zu treten. Sie unterscheiden sich vom „normalen Dasein“, leben und arbeiten alternativ. Wahrscheinlich die Angst vor dem Unbekannten lässt immer wieder, natürlich hinter vorgehaltener Hand, den Vorwurf aufflackern, hier würde eine Sekte agieren. Diese „Angst“ wurde bei unserem Besuch erst thematisiert und dann vollständig genommen.

 Beim Gespräch mit dem Stadt- und Kreisseniorenrat und der Gleichstellungbeauftragten der Stadt ging es um Fragen der Organisation von Ehrenamt. Wie in fast allen anderen Bereichen haben auch die Seniorenräte Probleme, Mitglieder zu finden, die sich engagieren. Die Bereitschaft, für andere etwas zu tun, ist nicht mehr flächendeckend vorhaben. Das hat mit gesellschaftlichen Brüchen und damit verbundenen Enttäuschungen zu tun, aber auch damit, dass die soziokulturelle Struktur in den Orten durch Abwanderung nicht mehr stimmig ist. Konkrete Probleme sehen die Räte darin, dass besonders in den ländlichen Räumen die Infrastruktur ausgedünnt ist und der Nahverkehr nicht in ausreichendem Maße dafür sorgt, dass alle, egal wo sie wohnen, am gesellschaftlichen Leben teilhaben können. Ein weiteres Problem ergibt sich, wenn für die ehrenamtliche Arbeit keine kostenlosen Räume mehr zur Verfügung gestellt werden. Da müssen mit den Stadt- und Ortschaftsräten Vereinbarungen gefunden werden und nicht nur für diese Verhandlungen halten die Seniorenräte eine enge Zusammenarbeit mit anderen Vereinen für notwendig.

 Bei der Feuerwehr Staßfurt ging es um die Ausstattung der Ortsfeuerwehren. Auch bei diesem Gespräch spielte die Attraktivität des Ehrenamtes eine große Rolle. Bei den Überlegungen zur Zusammenlegung von kleineren Ortsfeuerwehren muss die Einhaltung der Hilfsfrist genauso im Auge behalten werden, wie die Tatsache, dass die Finanzen sowohl in den Kommunen als auch im Land bereits überstrapaziert sind. Einig waren sich alle Gesprächsteilnehmer/innen, dass die Nachwuchsgewinnung existenziell wichtig ist und eine gute und engagierte Arbeit in den Kinder- und Jugendfeuerwehren erfordert. Wulf Gallert erläuterte einen Antrag unserer Fraktion, zur Erhaltung der Leistungsfähigkeit der Feuerwehren in Sachsen-Anhalt, der im April in den Landtag eingebracht wurde und der alle angesprochenen Punkte berührte.

 Fazit: wie in jedem Jahr war es gewinnbringend, politische Ansätze auf Realitätsnähe zu testen. Man ist am Nachmittag stets klüger als zu Beginn des Tages.