8. Dezember 2014

Integration muss Ziel sein

Am 8. Dezember befasste ich mich im Rahmen eines Wahlkreistages mit dem Thema Integration von Flüchtlingen. So sprach ich zunächst mit Yvonne Dix, sie arbeitet als Integrationsbeauftragte in der St. Johannis GmbH und im Anschluss daran mit dem Landrat Markus Bauer.

Auf Grund der weltpolitischen Lage mit vielen Kriegs- und Krisenherden kommen momentan viele Flüchtlinge in Deutschland an. Im Salzlandkreis sind es 75 – 80 pro Monat. Diese menschenwürdig unterzubringen und zu betreuen ist Pflichtaufgabe des Landkreises. Problematisch ist, dass die Zuweisungen oft sehr plötzlich kommen – morgens kommt der Anruf, abends muss die Unterkunft gewährleistet sein. Da die bestehenden Gemeinschaftsunterkünfte voll belegt sind, müssen neue Lösungen her. Der Landkreis ist bemüht, Wohnungen anzumieten. Dies gelingt in den einzelnen Orten in unterschiedlichem Maße. In Bernburg gibt es relativ wenig Leerstand, entsprechend schwer ist es, Wohnraum anzumieten, in Aschersleben sind Wohnungen leichter zu finden. Auch über den Aufbau von Containern wird inzwischen nachgedacht, um die Aufnahme der Flüchtlinge zu gewährleisten.

Frau Dix wies darauf hin, dass Flüchtlinge in Wohnungen sozialpädagogische Betreuung mit interkultureller Kompetenz benötigen. Dazu fehlen leider die Mittel. Hier könnte ein Pool von Ehrenamtlichen helfen, in dem z.B. Übersetzungsleistungen angeboten werden. Auch für uns selbstverständliche Fragen wie z.B. Wie klemme ich eine Lampe an, wie funktioniert die Mülltrennung oder an welche Regeln muss ich mich halten, wenn ich im Haus keinen Ärger haben will,  könnten solche Begleiter/innen vermitteln. Wichtig ist in jedem Fall, im Vorfeld mit den künftigen Nachbarn zu sprechen.

Der Landkreis hat zur Bewältigung seiner Aufgaben eine Stabsstelle Unterbringung Asyl  mit 9 Mitarbeiter/innen eingerichtet. Dort wird an den Aufgaben Akquise von Wohnraum, Betreuung und Hausmeisterleistungen gearbeitet. Ging es früher nur um Unterbringung, soll jetzt auch die Betreuung der Flüchtlinge angegangen werden. So sind Sprachkurse angedacht, das Nachholen von Berufsabschlüssen soll genauso erleichtert werden wie die Integration in Schulen und Kindertagesstätten. Ein Lotsensystem soll der Integration in das Vereinsleben dienen.

Frau Dix hat die Aufgabe, Flüchtlinge individuell bei Ämtergängen zu beraten, Hilfsangebote zu vermitteln und Integration zu fördern. Sie wünscht sich einen besseren Informationsfluss zwischen dem Landkreis und ihrem Träger z.B. bezüglich der Zahl und der Nationalität der angekommenen Flüchtlinge, um Bedarfe rechtzeitig zu erkennen. Sie berichtet von Schwierigkeiten, Kitaplätze für Flüchtlingskinder zu finden. Auch die Integration in Schulen ist ein Problem. Hier können zwar Schulen zu einem bestimmten Stichtag Förderstunden beim Land beantragen. Das Problem ist: Flucht richtet sich nicht nach Stichtagen. Hier muss die Landesgesetzgebung geändert werden. Auf der kommunalen Ebene wünscht sie sich, dass Flüchtlinge soziale Einrichtungen wie Tafel, Möbel- oder Kleiderbörsen nutzen können. Auch die Installation eines Ausländerbeauftragten in Bernburg, wie es ihn in Aschersleben schon gibt, regte sie an.

Auch wenn es keine leichte Aufgabe ist, vor der der Landkreis steht: er ist zum Erfolg verdammt. Dazu bedarf es der Hilfe von vielen. Ich rufe alle, die sich vorstellen können, mit Flüchtlingen zu arbeiten, auf, sich bei der eventuellen Bildung des Ehrenamtspools zu beteiligen.