23. November 2015

"Wenn einer aus der Reihe tanzt, dann ist die Reihe erst zu sehen."

Mit diesen Worten eröffnete der Schirmherr Torsten Sielmon, Behindertenbeauftragter des Salzlandkreises, eine Veranstaltung zum Thema „Inklusion in der Schule“ statt. Ziel war es, an verschiedenen Thementischen miteinander in den Erfahrungsaustausch zu treten. Wie kann es gelingen, den Gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne sonderpädagogischen Förderbedarf erfolgreich zu gestalten? Welche Rahmenbedingungen sind nötig und wie können die vorhandenen Bedingungen genutzt werden, um erfolgreich zu sein.

Drei Themenbereiche sollten dabei besonders diskutiert werden: Erfahrungen aus der Praxis, die Nutzung der Hilfssysteme im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe sowie die bildungspolitischen Rahmenbedingungen.

Die Praxis beleuchteten Ellen Rudolf von der Ganztagsschule „Johannes Gutenberg“ aus Wolmirstedt und Katrin Jelitte von der Gesamtschule „Albert Schweitzer“ in Aschersleben. In beiden Schulen wird der Gemeinsame Unterricht seit Jahren sehr erfolgreich praktiziert. Beiden Schulen gemein ist, dass es gelungen ist, ein ganzes Kollegium zu motivieren, neue Wege zu gehen. Lehrer/innen haben dort zu Beginn ihre Arbeit reflektiert und Visionen entwickelt, wie man mit Kindern arbeiten kann. Zwei Worte fielen besonders oft: Haltung und Wertschätzung. Unterricht, in dem alle zur gleichen Zeit das Gleiche lernen, hat früher schon nicht gut funktioniert und stößt erst recht an seine Grenzen, wenn er inklusiv sein soll. Schülerinnen und Schüler lernen an den Referenzschulen in Teams, tragen sehr viel Eigenverantwortung, für das was und wie sie lernen. Sie fühlen sich ernst genommen und erfahren jede Menge Wertschätzung. Die Arbeit in Gruppen und auf unterschiedlichen Anforderungsniveaus nützt dabei nicht nur den Kindern mit sonderpädagogischen Förderbedarf sondern auch all jenen, die im herkömmlichen Frontalunterricht über- oder unterfordert waren. „Die Umstellung ist eine intensive Arbeitsphase, aber wenn das geschafft ist, wird das Arbeiten wesentlich leichter und zufriedenstellender.“, so Ellen Rudolf. Da Abgucken in diesem Fall erwünscht ist, haben sich einige Lehrerinnen und Lehrer bereits zu einem (Weiterbildungs-)Besuch in den Schulen angemeldet.

Inklusion ist nicht zum Nulltarif zu haben. Sie bedarf Unterstützung durch viele Professionen wie Schulsozialarbeiter/innen, Schulpsycholog/innen, Integrationshelfer/innen und sonderpädagogische Fachkräfte. Es gibt das subjektive Gefühl, dass zu wenig Personal vorhanden ist, obwohl z.B. die Zahl der Schulsozialarbeiter/innen gestiegen ist. Das Personal wird den Schulen in Inklusionspools zur Verfügung gestellt. Damit ist es nicht an bestimmte Kinder gebunden, sondern kann flexibel eingesetzt werden. Auch wenn die Decke dünn ist, muss das Beste daraus gemacht werden: Kinder müssen angenommen werden wie sie sind, neue Unterrichtsformen müssen praktiziert werden, individueller, mehr mit den Lernenden zusammen gestaltet. Ellen Rudolf dazu: „Denkt die Schule vom Kind aus, nicht vom Personal oder den Finanzen.“

Die Veranstaltung war ein Experiment. Ausgegangen ist der Impuls von Ralf Prozell, einem betroffenen Vater, der sich gemeinsam mit einer Beratungslehrerin an Birke Bull gewandt hat. Schnell war klar, dass noch weitere Personen in die Organisation einbezogen werden müssen und dass so eine Veranstaltung echte Expert/innen braucht. Über 50 Interessierte diskutierten letztlich mit. Es war konstruktiv, kontrovers und gewinnbringend. Wir danken allen, die sich an der Organisation und Durchführung aktiv beteiligt haben.