13. April 2015

Kita, Schule, Willkommenskultur - Wulf Gallert in Bernburg

Unter dem Motto „Gallert interessiert’s“ bereist Wulf Gallert, Fraktionsvorsitzender der LINKEN im Landtag, momentan die Landkreise Sachsen-Anhalts, um sich vor Ort ein Bild über Entwicklungen und Problemlagen in allen Regionen des Landes zu erarbeiten und Erwartungen an die Landespolitik aufzugreifen.

Am 13. April waren wir gemeinsam in Bernburg unterwegs. Zum Auftakt besuchten wir Rückenwind e.V. und überreichten einen Scheck über 1000 Euro aus dem Solidarfonds für die abgebrannte Kita in Edlau. Das Geld ist nötig, weil die Versicherung bei weitem nicht den kompletten Schaden übernimmt. Derzeit sind die Kinder in einer städtischen Einrichtung in Bebitz untergebracht. Das Dorfgemeinschaftshaus Edlau soll demnächst als Übergangsquartier hergerichtet werden, bevor der Kitaneubau fertiggestellt werden kann. Hierfür will sich der Verein unter anderem um Stark-III-Mittel bewerben.

Natürlich ging es bei dem Gespräch auch um die Auswirkungen des Kinderförderungsgesetzes. Steigende Elternbeiträge resultieren aus dem Passus im Gesetz, dass Kommunen mindestens 50 % des Defizits (Kosten, die nicht durch das Land gedeckt werden) zu tragen haben. Kommunen, die in der Konsolidierung sind, wird durch die Kommunalaufsicht verwehrt, wie bisher mehr als 50 % zu tragen. Die mangelnde Finanzausstattung der Kommunen ist also die Ursache für die steigenden Elternbeiträge.

Beim anschließenden Gespräch mit dem Oberbürgermeister, Henry Schütze, und dem Chef der Wohnstättengesellschaft, Holger Köhncke, ging es vorwiegend um die Unterbringung und Betreuung von Flüchtlingen. Die Wohnstättengesellschaft stellt dem Landkreis 13 Wohnungen für die dezentrale Unterbringung zur Verfügung. Verträge für 9 weitere Wohnungen sind in Vorbereitung. Dezentral heißt in diesem Fall nicht, dass ein ganzer leerstehender Block besetzt wird, sondern dass in einem Aufgang wirklich nur eine, maximal zwei Familien untergebracht werden. Den Landkreis sehen die Gesprächspartner dabei in der Pflicht, die Familien auf das Wohnen in Deutschland vorzubereiten, sich um sie zu kümmern und die Bevölkerung mitzunehmen.

Das Campus Technicus, die 3. Station der Tour, ist die größte Sekundarschule Sachsen-Anhalts. Sie wurde 2009 gegründet. Hier wurde die Schul- mit der Stadtentwicklung verknüpft und im Rahmen der Internationalen Bauaustellung eine Schule mit 3 Standorten geschaffen, deren Ausstrahlung weit  in die Stadt hineinreicht. Ehemals 3 Sekundarschulen wurden als Antwort auf die demografische Entwicklung und auf die hohe Schulabbrecherquote erfolgreich zusammengeführt. Es ist gelungen, aus den drei Kollegien, ein Team zu bilden, das den Einzelkämpferstatus verlassen hat.

Für ein Gespräch mit uns nahmen sich die Schulleiterin, Annegret Zahradnik, und mehrere Lehrerinnen und Lehrer Zeit, um vor allem die Unterrichtsversorgung anzusprechen. Die ist auf dem Papier mit 103% gut. Aber ein hoher Krankheitsstand, z.B. während der Grippewelle, oder Langzeiterkrankungen wird damit nicht abgedeckt. Eine fachgerechte Vertretung ist oftmals nicht möglich. Auch die Versorgung der Schulen mit Lehrerinnen und Lehrern mit passenden Fächerkombinationen wird zunehmend schwierig. Hierbei zeigt sich, dass ehemalige Mangelfächer inzwischen gut bedient werden können, aber eine neue Lücke bei den sogenannten  MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) entsteht. Frau Zahradnik empfiehlt, rechtzeitig Abiturienten in die richtige Richtung zu lenken, damit sie bei Interesse an einem Lehramtsstudium ihre Fachrichtung klug wählen. Außerdem müssen Rahmenbedingungen in Sachsen-Anhalt so gestaltet werden, dass junge Menschen nach der Ausbildung auch hier bleiben. Alle Beteiligten waren sich einig darüber, dass in den nächsten Jahren die größte Herausforderung sein wird, die durch Altersabgänge frei werdenden Stellen zu besetzen.

Den Abschluss des Tages bildete ein Gespräch mit einer Initiative junger kommunaler Abgeordneter, die sich parteiübergreifend gefunden haben, um gemeinsam das Thema Flüchtlinge und Willkommenskultur zu bearbeiten. Ziel ist es, durch Informationen Diskussionsprozesse zu versachlichen und Desinformationen zu begegnen. Dazu wird es in den größeren Städten des Salzlandkreises von der Initiative organisierte Informationsveranstaltungen mit kompetenten Referentinnen und Referenten geben.