Das Hirn entwickelt sich da, wo es mit Freude gebraucht wird.

Mein Wahlkreistag am 22. April beschäftigte sich mit dem Thema Bildung von der Kita bis zur Berufsausbildung. In Giersleben besuchte ich die Kindertagesstätte und die Grundschule. „Wo stehen die Kinder, und was brauchen sie, um die nächste Entwicklungsstufe zu erreichen?“ steht in beiden Einrichtungen im Mittelpunkt des pädagogischen Handelns. In der Grundschule hat man gute Erfahrungen mit der Arbeit mit „Whiteboards“. Sie bieten im Verbund mit den Schülerlaptops gute Möglichkeiten zum differenzierten Arbeiten. Jedes Kind kann dabei in seinem eigenen Tempo lernen und Anhand von Tages- oder Wochenplänen Aufgaben in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen lösen. Der Unterricht ist dadurch schneller geworden, Lehrerinnen können in Echtzeit sehen, was die Kinder auf dem Laptop machen und wo noch Schwierigkeiten auftreten. Die Arbeit mit den Laptops bricht mit dem frontalen Charakter des Unterrichts, macht den Kindern Spaß, und das Hirn entwickelt sich bekanntlich da, wo es mit Freude gebraucht wird. Es verwundert nicht, dass die Schule einen Antrag auf Zertifizierung für Gemeinsamen Unterricht gestellt hat. Dabei werden Kinder mit sonderpädagogischem Förderbedarf in Regelschulen integriert. Dies erfordert in besonderem Maße individualisierte Unterrichtsmethoden, um Über- oder Unterforderung zu vermeiden.

In der Kita „Wipperzwerge“ sprachen wir mit der Leiterin Fran Hlawaty. „Erzieher/innen müssen die Kunst beherrschen, jedem Menschen das Gefühl zu geben: du bist mir wichtig, du bist willkommen.“ Diese Grundstimmung war in jedem Winkel der Kita zu spüren. Kinder werden dort spielerisch unter Ausnutzung ihrer natürlichen Neugier mit Bildungsangeboten verschiedenster Art bekannt gemacht. Am Programm „Bildung elementar“ hat sich die Kita von Beginn an beteiligt. Auf die Förderung der Selbständigkeit wird großer Wert gelegt. Das erzeugt eine Atmosphäre des Vertrauens. Der innere Entwicklungsplan jedes Kindes ist der Ansatz für die pädagogische Arbeit. Kinderwelten haben sich ebenso geändert wie das Familienleben. Darauf muss sich Pädagogik einstellen. Die Mitarbeiterinnen der Kita haben deshalb eine Zusatzausbildung zum Situationsansatz gemacht. In pädagogischen Teamsitzungen wird die Arbeit regelmäßig reflektiert. Problematisch wird es, wenn, wie in Giersleben, durch Fluktuation ein eingespieltes Team stark verändert wird. Es kostet Kraft, die neuen Mitarbeiter/innen für die Philosophie des Hauses zu begeistern und bringt Unsicherheit bei Kindern und Eltern. Einig waren wir uns alle, dass eine unterschiedliche Bezahlung von Erzieher/innen im öffentlichen Dienst und bei freien Trägern ein nicht tragbar ist. Es ist immer noch nicht klar, wo die zwei Prozent, die das Land an die Kommunen für die jährlichen Lohnerhöhungen weiterreicht, bleiben. Leider war es nicht möglich, im neuen Kinderförderungsgesetz (KiFöG) eine Regelung festzuschreiben, nach der Löhne gezahlt werden müssen, die sich am Öffentlichen Dienst orientieren. Ich habe aber Hoffnung, dass durch den erhöhten Personalbedarf nach dem KiFöG der Wettbewerb um die Fachkräfte entbrennen wird und dass das auch Auswirkungen auf das Lohngefüge haben wird.

Am Nachmittag galt mein Interesse der Berufsschullandschaft des Salzlandkreises. Durch die Schließung der Berufsschule am Standort Bernburg und die Verlagerung der Ausbildungsgänge nach Schönebeck gibt es auf Grund schlechter Verbindungen für Schüler/innen erhebliche Probleme, pünktlich den Unterricht zu erreichen. „Es werden Bildungsgänge wegbrechen, weil Schüler/innen sich entscheiden werden, in Halle, Dessau oder Magdeburg die Ausbildung zu beginnen.“, so Frank Berger, Berufsschullehrer und GEW-Kreisvorsitzender. In Anbetracht der Tatsache, dass sich der Landkreis eine solche Abwanderung nicht leisten kann, soll es eine Runde mit Berufsschulen, der Kreisverwaltung und Kreistagsfraktionen geben, um Öffentlichkeit für dieses Problem herzustellen, die Vorschläge der Verwaltung im Rahmen der Schulentwicklungsplanung in Erfahrung zu bringen und mögliche Lösungsvorschläge zu erarbeiten.