22. Januar 2014

Besuch des Bernburger Sozialzentrums

Am 22. Januar besuchte ich im Rahmen eines Wahlkreistages das neue Sozialzentrum in Bernburg. Es beherbergt die Obdachlosenunterkunft, die Bernburger Tafel, eine Suppenküche sowie ein Möbellager. Suppenküche, Tafel und Möbellager werden durch Spenden finanziert und durch Maßnahmen des zweiten Arbeitsmarktes bzw. Teilnehmer/innen am Bundesfreiwilligendienst betrieben.

In der Obdachlosenunterkunft gibt es 30 Schlafplätze, die glücklicherweise nicht ausgelastet sind. So betrachteten es unsere Gesprächspartner/innen Sozialdezernent Herr Koller, Sozialamtsleiterin Frau Hajek-Hoffmann, Heimleiterin Frau Otto als Erfolg, dass derzeit nur 12 Klienten im Haus wohnen. Herr Koller machte deutlich, dass die Pflichtaufgabe der Stadt lediglich darin besteht, Wohnungslosen ein Dach über dem Kopf zur Verfügung zu stellen, aber Bernburg engagiert sich darüber hinaus auch in der Prävention. „Jeder, der nicht im Haus ist, ist ein Riesenerfolg.“, so Paul Koller. Als Ursache für Obdachlosigkeit erklärte Frau Hajek-Hoffmann häufig eine unheilvolle Spirale, die mit Arbeitslosigkeit und entsprechenden Entwertungsgefühlen beginnt, häufig den Verlust des Partners und weiterer sozialer Kontakte mit sich führt, später durch Alkoholmissbrauch dazu führt, dass man einfachste Dinge nicht mehr regeln kann, (Miet)Schulden anhäuft und letztlich die Wohnung verliert.  „Wenn wir nicht wollen, dass jemand hier Jahre verbringt, müssen wir uns etwas einfallen lassen.“ So gibt es einerseits feste Regeln im Haus, nach denen um 9.00 Uhr die Zimmer verlassen werden müssen. Es wird versucht, eine Struktur in den Tagesablauf zu bringen. Die Bewohner können anschließend das Haus verlassen, oder die Gemeinschaftsräume nutzen. Die Zubereitung der Mahlzeiten erfolgt eigenverantwortlich. Andererseits wird durch Hilfe bei Ämtergängen versucht, Wege aufzuzeigen, die aus der Obdachlosigkeit herausführen. So waren in einigen Fällen die Vermittlung in Pflegeheime, in Langzeittherapien oder betreute Wohnformen erfolgreich. Die Stadt hat auch die Möglichkeit genutzt, selbst betriebenen Wohnraum zu vermitteln, in denen ehemalige Obdachlose mit einer Nachbetreuung lernen können, wieder auf eigenen Beinen zu stehen.

In manchen Fällen stoßen die fest angestellten Sozialpädagoginnen aber an ihre Grenzen. Hier wünschen sich die Verantwortlichen Unterstützung durch einen Psychologen. Leider ist das nicht finanzierbar. Es soll nun geprüft werden, ob es Möglichkeiten gibt, die Eingliederungshilfe (SGB XII) dafür zu nutzen. Diese Mittel stehen Menschen mit Behinderungen zu, um ein selbstbestimmtes Leben zu organisieren. Bisher biss die Stadt bei der Beantragung bei der Sozialagentur auf Granit. Hier werde ich nachhaken und dieses Thema in der Fraktion zur Diskussion stellen.

Armut und erst recht Obdachlosigkeit sind Probleme, die die Gesellschaft selbst produziert. In dieser Hinsicht haben wir kein Erkenntnis- sondern ein Handlungsproblem. Man kann Menschen nicht unbegrenzt fallen lassen. Ständige Abstufung nach unten aus Erziehungszwecken motiviert nicht, es muss eine Grenze nach unten geben - die Wohnung muss bleiben. Den Rückweg in die Gesellschaft zu organisieren, ist unter anderem deshalb so schwierig, weil wir ihn aus unserer Perspektive suchen. Es gibt Angebote, aber sie sind offensichtlich nicht erfolgreich genug. Es bleibt eine Lücke zwischen Angeboten und Betroffenen, die manchmal darin begründet ist, dass das Problembewusstsein fehlt. Psychologen könnten da eine Hilfe sein, aber auch nur dann, wenn sich die Klienten auf diese Art der Beratung einlassen.