7. Februar 2014

Universitäre Lehrerausbildung weiterentwickeln

Im Zentrum steht für uns, die inhaltliche Ausgestaltung des Lehramtsstudiums. Dabei knüpfen wir bewusst an die in der vergangenen Zielvereinbarungsperiode und zum Teil schon davor eingeleiteten Reformschritte an.

Einen besonderen Schwerpunkt sehen wir darin, mit der universitären Ausbildung von Lehrerinnen und Lehrern tragfähigere Grundlagen zu schaffen, das Ziel der Inklusion in der Gesellschaft umzusetzen. Wir gehen davon aus, dass die Schulen mit ihren Bildungsangeboten hier eine wichtige Rolle spielen. Dieser Ansatz geht weit über sonder- oder integrationspädagogische Kompetenzen hinaus. Vielmehr geht es um ein zutiefst demokratisches Grundverständnis von der Verschiedenheit der Persönlichkeiten, das sich mit dem Gleichheitsideal und dem Recht auf gleiche Teilhabe an den materiellen und ideellen Werten der Gesellschaft, an Kultur, Bildung, Kommunikation und Information genauso verbindet wie mit dem Ziel, jeder und jedem optimale Entfaltungsmöglichkeiten zu eröffnen.

Ein solches Grundverständnis muss das gesamte Studium prägen, kann nicht auf bestimmte Module beschränkt sein, so wichtig diese sind, und darf auch in den Fachdisziplinen nicht ausgespart sein. Vielmehr sollten gerade das Lehramtsstudium und die pädagogische Forschung im akademischen Leben der gesamten Universität ausstrahlen und Impulse für alle Disziplinen geben. Wenn das Inklusionsziel der Gesellschaft ernst genommen und konsequent verfolgt wird, resultiert daraus nach unserer Auffassung auch, die in der Sekundarstufe I nach Schulformen gegliederte Lehramtsausbildung in Frage zu stellen. Deshalb plädiert die Fraktion DIE LINKE für den Übergang zu einer „Stufenlehrerausbildung“, die sich an den Schulstufen - Primarstufe, Sekundarstufe I und Sekundarstufe II - orientiert. Wir fordern den Umbau der Lehrerbildung in diesem Sinne.

Selbstverständlich kann das nur schrittweise erfolgen und unter Berücksichtigung der Anerkennung unserer Abschlüsse im Rahmen der KMK. Aber mögliche Schritte sollen gegangen und entsprechende Entwicklungen in der KMK auch aktiv vorangetrieben werden. Dem Erwerb weiterer professioneller Kompetenzen, die den pädagogischen Beruf einer Lehrerin und eines Lehrers neben soliden fachwissenschaftlichen Kenntnissen in den studierten Unterrichtsfächern künftig prägen müssen, ist große Aufmerksamkeit zu schenken. Hier gibt es immer noch Defizite, die im Berufsalltag zu Tage treten und den Erfolg schulischer Bildungsangebote schmälern. Stichworte hier: didaktisches und methodisches Können, die Fähigkeit sozialpädagogische Probleme zu erfassen und an ihrer Lösung mitzuarbeiten, Medienpädagogik.

Es entspricht auch unserer Erfahrung, dass die Qualität einer Schule ganz entscheidend vom Wissen, vom Können, vom Engagement der Lehrerinnen und Lehrer und der Schulleitung abhängt.

Große Aufmerksamkeit richten wir auf die sogenannte Studierbarkeit und eine enge Praxisbeziehung der Ausbildung von Anfang an. Die Bemühungen von Schulbehörden und Universitäten müssen zu besseren Ergebnissen bei der Gestaltung von Schulpraktika führen. Im Hinblick auf die künftige Versorgung der Schulen mit Lehrkräften ist aus unserer Sicht mehr dafür zu tun, dass bereits die Schulpraktika regional ausgewogen angeboten und dabei auch Landschulen z.B. in der Altmark im Harz, im Fläming oder im Süden Sachsen-Anhalts nicht ausgespart werden. Das setzt aber voraus, den Studierenden den Aufenthalt dort überhaupt zu ermöglichen und sie vor allem von den dabei entstehenden Kosten zu entlasten.

Auch im Kontext der Lehrkräfteausbildung spielt der prognostizierte Lehrkräftebedarf eine wichtige Rolle. Die bisher von uns immer kritisierten Personalabbauziele bis 2020 im Lehrkräftebereich haben in den vergangenen Jahren eine bedarfsgerechte Aufstockung der Ausbildungszahlen immer weitgehend verhindert. Der Mangel in den kommenden Jahren ist abzusehen und jetzt nur noch schwer zu lindern. Umso mehr kommt es darauf an, für die Zukunft der Kapazitätsplanung Zahlen zu Grunde zu legen, die sich am zu erwartenden Schulnetz mit seinen Spezifika eines zum Teil sehr dünnbesiedelten Landes, an pädagogischen und schulpolitischen Zielen und der Entwicklung der Bevölkerung orientieren, statt nur schlicht fiskalisch begründete Personalabbauraten zu reflektieren.

Debatte im Landtag